IPBES-Autorin Jennifer Hauck zum 2. Autorentreffen der Regionalen Assessments in Bonn

„Die Zusammenarbeit mit aufgeschlossenen und wertschätzenden Kollegen aus allen Disziplinen motiviert mich enorm“

Nach den individuellen Auftakttreffen der regionalen Assessments, sowie des Assessments zu Landdegradierung und Restaurierung im Sommer 2015 fand Ende August 2016 in Bonn das erste gemeinsame Treffen aller Autoren dieser Assessments statt. Die rund 150 Teilnehmer bestehend aus Co-Chairs und Koordinierenden Leitautoren kamen aus den unterschiedlichsten Ländern um Ihre eigenen Assessments weiterzuentwickeln, sich kennenzulernen und sich untereinander über Gemeinsamkeiten und Unterschiede auszutauschen. Diskutiert werden sollten vor allem die Kommentare zu den ersten Fassungen der Assessments aus den Begutachtungen, die von Mai bis Juli von zumeist wissenschaftlichen Experten eingereicht worden waren.

Die Einarbeitung der Kommentare ist keine kleine Aufgabe. Weit über 2000 Kommentaren wurden allein für das regionale Assessment für Europa und Zentralasien eingereicht. Erfreulich dabei: Viele davon kamen von Experten aus Zentralasien, wozu sicherlich die von NeFo und Partnern organisierte 3. Pan European IPBES Stakeholder Consultation (PESC) im Juni 2016 in Leipzig beigetragen haben dürfte.

Die Kommentare aus den Gutachten werden sehr ernst genommen, sodass ein Großteil der Woche nötig war zu diskutieren, wie die teilweise inhaltlich und strukturell sehr weitreichenden und auch schwierigen Kommentare in der zweiten Fassung berücksichtigt werden könnten. Erste Ideen wurden auch schon für die Zusammenfassungen für Politikschaffenden entwickelt, die die wichtigsten Botschaften der einzelnen Assessments zusammenfassen. Diese Zusammenfassung muss am Ende des Prozesses im Frühjahr 2018 Satz für Satz von den Staatenvertretern im IPBES-Plenum verabschiedet werden[JHh1]  und viele Autoren haben großen Respekt vor dieser Aufgabe.

Das zweite Ziel des Treffens war die Identifizierung von Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Assessments, um größtmögliche Kohärenz herzustellen. Tatsächlich konnten viele Schnittmengen festgestellt werden, wobei besonders die offene und konstruktive Atmosphäre des Treffens half. Allerdings zeigte sich auch, dass es nicht ohne weiteres möglich ist, die Kapitelstrukturen und Inhalte anzugleichen, da jedes Assessment bereits im letzten Jahr eine eigene Struktur entwickelt hatte und Themen unterschiedlich angegangen war.

Ein drittes unausgesprochenes Ziel des Treffens war natürlich auch die Vernetzung mit Kollegen aus aller Welt. Einmal mehr hat sich gezeigt, dass persönliche Treffen einfach essentiell sind, um voneinander zu lernen und innovative Ideen für die Synthese der Ergebnisse zu entwickeln. Persönlich hat mich dieses Treffen mit vielen hochmotivierten Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt sehr bereichert. Ich bin Sozialwissenschaftlerin, und obwohl wir sicherlich nicht genügend Vertreterinnen und Vertreter der entsprechenden Disziplinen in den Assessments haben, kann ich aus meiner Erfahrung sagen, dass mich die Zusammenarbeit mit aufgeschlossenen und wertschätzenden Kollegen aus allen Disziplinen sehr für mein Engagement motiviert.

Zur Autorin:

Dr. Jennifer Hauck ist Geographin mit den Nebenfächern Soziologie und Politikwissenschaften und arbeite derzeit am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ in verschiedenen Bereichen. Für IPBES ist sie als koordinierende Leitautorin für das Kapitel 5 des IPBES-Arbeitsprogramms 2 (b) “Regional assessment of biodiversity and ecosystem services for Europe and Central Asia” tätig. Außerdem wurde sie als Expertin für die zweite Phase der IPBES-Arbeit zu Szenarien und Modellierung berufen.

Darüber hinaus hat Jennifer das Consulting-Unternehmen CoKnow – Coproducing Knowledge for Sustainability gegründet, mit dem sie inter- und transdisziplinäre Prozesse berät und unterstützt sowie Trainings und Forschung zu Methoden der Koproduktion von Wissen gibt.