Auf dem Weg zum Zero-Order Draft: Startschuss für das IPBES Afrika-Assessment fällt in Südafrika

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Katja Heubach vom UFZ
Katja Heubach, UFZ

Während draußen der Kronenkiebitz ruft und gemächlich sein Frühstück von den trockenen Wiesen pickt, rauchen im Konferenzsaal bereits die Köpfe: Die rund 120 internationalen ExpertInnen, die zum ersten AutorInnentreffen zum IPBES Afrika-Assessment zusammengekommen sind, lassen sich gerade über die aktuellen Entwicklungen bei IPBES informieren. Die TeilnehmerInnen kommen aus rund 30 Ländern, darunter mehr als zwei Drittel aus afrikanischen: von Algerien bis Südafrika, von Senegal bis Madagaskar. Den Rest stellen Angehörige der WEOG-Region (Western European and Others Group: u.a. Belgien, Frankreich, Deutschland, Canada, USA, Schweden, UK) sowie eine Expertin aus Malaysia. Vor Ort sind auch Mitglieder des IPBES-Bureau, Multidiscipinary Expert Panel (MEP) und IPBES-Sekretariat, die für die Konsolidierung der verschiedenen, parallel laufenden Assessment-Prozesse in IPBES verantwortlich sind, sowie Mitglieder anderer IPBES-Expertengruppen, deren Themen inhaltlich relevant für das Afrika-Assessment sind.

Die eigentliche Arbeit beginnt nach der Mittagspause. Dann treffen sich die Autorinnen und Autoren der sechs zuvor festgelegten Kapitel in Kleingruppen, um die konkreten Inhalte ihrer Kapitel zu diskutieren. Ihre Aufgabe bis Ende der Woche lautet, einen Entwurf für den sog. Zero-Order Draft (ZOD) des Assessments zu produzieren, ein etwa 15-seitiges Dokument, das die im jeweiligen Kapitel zu bearbeitenden Themen listet und kurz erläutert, warum und mit welchem Ziel diese Themen ausgewählt wurden. Man könnte auch sagen: ein erweitertes Inhaltsverzeichnis mit Kernaussagen.

Allerdings würde das die harte Arbeit, die dahintersteht, nur schlecht widerspiegeln. Denn Assessmentarbeit ist auch Verhandlungsarbeit – und das in einem Schmelztiegel verschiedener Kulturen, Muttersprachen, Wissensformen und Disziplinen. In den AutorInnenteams treffen zahlreiche Interessen, Vorstellungen und Wertebegriffe mit Bezug zu Biodiversität und Ökosystemleistungen aufeinander, die manchmal recht divers sind, und die man verstehen und integrieren muss. Eine Aufgabe, die von allen Energie fordert, aber wohl einer der spannendsten Aspekte an diesem Assessment-Prozess darstellt, weil man dabei so viel lernt über die anderen, über sich, über Zusammenarbeit, über das, was möglich ist und das, was man will und nicht will.

Ein wenig Nachholbedarf hat der Prozess indes mit Blick auf die beteiligten wissenschaftlichen Disziplinen. Mehr als 90 Prozent der AutorInnen sind NaturwissenschaftlerInnen. Die Sozial-, Kultur- und andere Wissenschaften sind deutlich unterrepräsentiert. Dabei kommt es bei der Formulierung von Politikoptionen doch besonders darauf an, EntscheidungsträgerInnen und andere gesellschaftliche Akteure gut zu verstehen. Und dafür braucht man eben Politik- und Sozialwissenschafter, Ökonomen, Juristen und Journalisten und viele andere mehr. An dieser Stelle ist im IPBES-Prozess noch deutlich Luft nach oben. Das gilt auch für die Gender-Balance im Afrika-Prozess: Nur knapp ein Drittel sind Autorinnen.

Die Diskussionen in den Kleingruppen reichen bis in die Kaffeepausen und Abendstunden – und sind sehr fruchtbar. Denn am Ende des AutorInnentreffens halten die beiden Vorsitzenden des Assessments sichtbar erleichtert – und auch ein wenig stolz – das ersehnte Dokument, den ersten Entwurf zum Zero-Order Draft, in Händen. Wenngleich aus den 15 doch 22 Seiten geworden sind. Aber lieber zu viele Ideen als zu wenig. Das Dokument wird jetzt von verschiedenen IPBES-Gremien begutachtet, deren Kommentare anschließend in den finalen Zero-Order Draft fließen. Dieser bildet dann die Grundlage für die weitere Arbeit der AutorInnen im kommenden Jahr.

Die Köpfe werden also bald wieder rauchen. Der Kronenkiebitz draußen wird dann schon in trockenere Gebiete gezogen sein – er mag den Regen im Südafrikanischen Frühling, der jetzt beginnt, überhaupt nicht: da wächst ihm das Gras zu hoch.

Einen kurzen Bericht zum ersten Treffen der Autorinnen und Autoren des Afrika-Assessments finden Sie hier.