Daten und Infrastruktur

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sind für ihre Forschungsarbeiten auf Daten angewiesen. Diese können sehr unterschiedlich sein, sie reichen von Beobachtungen bis zu Experimenten und Computersimulationen, sie betreffen kleine Skalen ebenso wie die Verbreitung von Arten oder Fernerkundungsdaten. Zunehmend wichtig wird dabei, dass die Daten in einem standardisierten Format vorliegen, international zugänglich sind und möglichst weite Zeiträume darstellen. Entsprechend gibt es eine Reihe nationaler und internationaler Aktivitäten, Programme und Vereinbarungen, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden.

 

AG Biodiversitätsdaten der Senatskommission für Biodiversitätsforschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)

Um ein langfristiges Konzept zur Sicherung von Biodiversitätsdaten im allgemeinen Konsens der Biodiversitäts-Community auszuarbeiten, wurde die „Arbeitsgruppe Biodiversitätsdaten" der →Senatskommission für Biodiversitätsforschung der DFG gegründet. Eine ihrer vordringlichen Aufgaben ist es, Datenstrukturen und Verfahren für die dauerhafte Lagerung und Zugänglichkeit der multidisziplinären Biodiversitätsdaten zu identifizieren und eine Bedarfsanalyse zu entwickeln. Im Fokus steht, dass mit der zu entwickelnden Struktur die Kompatibilität und Standardisierung der Daten auch in Bezug auf zukünftige Anforderungen gewährleistet werden kann, um national und international Datenaustausch und –nutzung betreiben und die Daten in geeigneten Datenrepositorien vorhalten zu können.

 

Ökologische Daten

Es gibt eine Reihe von Datenbanken, die Biodiversitätsdaten über unterschiedliche Zeiträume und für unterschiedliche Orte speichern. Anbei sind Beispiele für größere Netzwerke als auch zu Metadatenbanken aufgeführt.

 

Long Term Ecological Research Network - LTER

Begründet 1980 in den USA, betreibt →LTER global 26 Dauerbeobachtungsflächen. Standardisierte Aufnahmeprotokolle und Datenmanagement soll die Analyse ökologischer Veränderungen ermöglichen. Aktuell sind mehr als 1800 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sowie Studierende an der Aufnahme und Publikation von Daten beteiligt. Darüber hinaus unterstützt LTER die wissenschaftliche Kommunikation und Forschungsplanung. In Deutschland hat sich ein eigenes Netz gebildet, →LTER-Deutschland.

 

Exploratorien zur funktionellen Biodiversitätsforschung

Zu →LTER-D gehören auch die von der DFG finanzierten →Biodiversitäts-Exploratorien. Hier soll durch stark standardisierte Aufnahmetechniken und ein stringentes Datenmanagement eine hohe und breite Nutzbarkeit der Felddaten für die Forschung erreicht werden.

Die drei Gebiete, die im Zusammenspiel unterschiedlicher Disziplinen untersucht werden, sind das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg, der Nationalpark Hainich mit Umgebung in Thüringen und das Biosphärengebiet Schwäbische Alb in Baden-Württemberg. 

 

BioMat von EuMon

Im Rahmen des europäischen Projektes →EuMon (Biodiversity Monitoring in Europe) können Monitoringprogramme für Habitate und Arten auf unterschiedlichen räumlichen Skalen sowohl →abgefragt als auch →eingegeben werden.

Tragen Sie selbst zur Erfassung von Pflanzen- und Tierarten bei? Dann registrien Sie Ihre Initiative bei → EuMon. Mehr Informationen bietet der → EuMon-Flyerund die → EuMon-Webseite.

 

 

Taxonomische Daten

Für biosystematische und andere (Evolution, Klimafolgenforschung etc.) Fragestellungen sind Informationen über die Identität einzelner Arten nötig. Dazu gehört z.B., dass das Vorkommen von Belegexemplaren dokumentiert ist.  

FloraWeb

FloraWeb bietet über Taxonomie und Systematik hinaus Informationen zur Verbreitung, Biologie und Nutzung von über 3500 Pflanzenarten, die in Deutschland vorkommen.

Fauna Europaea

Fauna Europaea ist ein Projekt, welches für Arten und Unterarten Checklisten für Länder auf europäischer Ebene erstellt.

Webportal für Süßwasser-Biodiversität

Biofresh bietet ein Webportal für Süßwasser-Biodiversität

 

 

Global Biodiversity Information Facility - GBIF

Die Global Biodiversity Information Facility (GBIF) hat sich als global führende Informationsinfrastruktur für den Bereich der organismischen Vielfalt etabliert und bewährt.

Deutschland ist eines der Gründungsmitglieder von GBIF und ist seit Jahren einer der größten Biodiversitätsdatenanbieter weltweit.

 

Techniken und Standards wie sie im Rahmen von GBIF entwickelt wurden, werden inzwischen in einer Reihe von Informationsnetzwerken in der Grundlagen- und angewandten Forschung eingesetzt. Über das GBIF Netzwerk selbst stehen Ende 2010 bereits mehr als 260 Millionen Datensätze zum Vorkommen von Arten auf Grundlage von Sammlungs- und Beobachtungsdaten für Auswertungs- und Analysezwecke zur Verfügung. 55 Staaten und 46 internationale Organisationen sind GBIF bereits beigetreten und bekennen sich damit zur Idee des freien und ungehinderten Zugangs zu Biodiversitätsinformation. Das BMBF stärkt deutschen Beitrag zur Global Biodiversity Information Facility (GBIF).

 

→TDWG (Biodiversity Information Standards) als Partner von GBIF unterstützt die Standardisierung von Biodiversitätsdaten und GBIF-Community Site ist das soziale Netzwerk von GBIF.

 

Catalogue of Life

Der Catalogue of Life ist das taxonomische Rückgrat von GBIF oder auch der Encyclopedia of Life. Aufgebaut im Rahmen des EU Projektes Species 2000 und fortgeführt über 4D4Life werden dynamische und jährliche Checklisten aller Organismen (Mikroben, Pilze, Pflanzen, Tiere) erstellt. Die Arten inklusive der Synonyme können über Freitextsuche oder über phylogenetische Stammbäume gesucht werden.

Einen anwenderfreundlichen Zugang zur Encyclopeda of Life sowie weitere Funktionen zur Koordinierung von biosystematischer Forschung bietet LifeDesks.

Vifabio - Die virtuelle Fachbibliothek Biologie

Vifabio ist ein Angebot der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main, in Zusammenarbeit mit weiteren Bibliotheken und biologischen Organisationen. Das Portal bietet Ihnen einen schnellen Zugang zu Katalogen, Datenbanken, Zeitschriften und zu biologischer Fachinformation im Netz.

→Link

 

ETI's World Taxonomist Database

Nicht nur Informationen zu Arten, sondern auch zu Taxonomen sind wichtig. Die ETIBioinformatics  verfügt über eine →Datenbank der Taxonomen weltweit.

 

Universitätsmuseen und -sammlungen in Deutschland

Für Deutschland gibt es eine →online-Datenbank  zu physischen Standorten vieler auch kleinerer Sammlungen und Museen.

 

Integration ökologischer und taxonomischer Daten über verschiedene Skalen

 

LifeWatch

 

→LifeWatch ist eine Initiative der EU Mitgliedsstaaten, um die Infrastruktur für Biodiversitätsforschungs zu stärken. Biodiversitätsdaten sollen konsistenter erhoben, und langfristiger verwaltet  und gesichert werden. Dabei liegt ein besonderer Fokus auch auf der Wechselwirkung zwischen belebter und unbelebter Umwelt, also biotischen und abiotischen Parametern. Mit LifeWatch leistet Europa entsprechend seinen Beitrag zum Arbeitsprogramm von →GEOSS (Global Earth Observing System of Systems), einem Netzwerk globaler Beobachtungssysteme, reichend von Satellitendaten bis hin zum Flächenmonitoring.

LifeWatch kann auf einer Reihe größerer EU-Projekte aufbauen (→ALTER-Net, →EDIT, →MarBEF, →MGE, →EUR-OCEANS, →SYNTHESIS, PESI→BioCASE und →ENBI).

Aktuell wird LifeWatch von 19 europäischen Ländern unterstützt (Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Groß-Brittannien, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Spanien, Turkei, Ungarn).

Auf einem nationalen Workshop im Februar 2010, der gemeinsam von NeFo und dem Botanischen Garten und dem Botanischem Museum Berlin-Dahlem (BGBM) organisiert wurde, diskutierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Wissenschaft und Anwendung den möglichen Mehrwert dieser paneuropäischen Forschungsinfrastruktur. Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass die Vorteile stärker standardisierter Methoden sowohl der Aufnahme als auch der Auswertung von Biodiversitätsdaten sowie der verbesserte Zugang zu Daten und Tools geschätzt werden. Damit die entsprechenden Institutionen jedoch eigene Investitionen tätigen, muss der Mehrwert für einen größeren Anteil der Forschungscommunity in naher Zukunft noch plastischer werden, z.B. über Pilotprojekte. Das Vorbereitungsprojekt am BGBM im Rahmen der ESFRI-Roadmap endet im Januar 2011.

Mehr Informationen zum Verlauf des Workshops und den Workshopbericht finden Sie hier

 

WISIA

WISIA ist eine Datenbank des Bundesamtes für Naturschutz, in welcher Informationen zum Schutzstatus von Organismen im Rahmen unterschiedlicher Gesetze, Verordnungen und Richtlinien hinterlegt sind.

 

Mehr Informationen:
→GEOSS
ist ein Programm zur Standardisierung und Vernetzung (globaler) Erdbeobachtungsprogramme.
→GeoBON
ist ein Teil von GEOSS speziell für Biodiversitätsdaten.

 

Werkzeuge

Recorder 6D -Software zur Eingabe, Haltung und Austausch zu Vorkommen von Arten und Lebensräumen

Die in Großbritannien, Irland und Luxemburg im Einsatz befindliche, lange bewährte Software Recorder 6Dist im Rahmen eines BfN/BMU-Projektes für die Nutzung in Deutschland angepasst worden. Das Programm soll dazu beitragen, bundesweit Daten zu Vorkommen und Verbreitung von Arten zu mobilisieren und mit standardisierten Methoden zur Verfügung zu stellen. Diese können für Verbreitungsatlanten genutzt werden oder die Grundlage für Monitoringprogramme zur Biodiversität bilden. Durch die kostenlose Bereitstellung einer an die fachlichen Ansprüche optimal angepassten Kartierungssoftware sollen ehrenamtliche Erfassungsprojekte von Flora und Fauna gefördert werden.

 

BioOffice

BioOffice ist  eine in einschlägigen Kreisen hochgeschätzte Software für Biologen zur Erfassung, Auswertung, kartographischen Darstellung und räumlichen Analyse von biologischen Sammlungen und Verbreitungsdaten.

 

Insensa-GIS

Insensa-GIS ist eine open-source GIS software zur statistische Analyse von räumlichen Daten, zur Indexentwicklung und Sensitivitätsanalyse, deren Funktionalität durch plug-ins erweitert werden kann.

 

korina - Koordinationsstelle Invasive Neophyten in Sachsen-Anhalt beim UfU e.V.

korina koordiniert Arbeiten zur Erfassung und Bewertung von Neophyten und betreibt dazu auch einen interaktiven Atlas.