Wird es einen "Paris-Moment" im Biodiversitätsschutz geben?

Die Erwartungen an IPBES-7 sind hoch, insbesondere an das Global Assessment on Biodversity and Ecosystem Services, das hier verabschiedet werden soll. Aber ob diesem Zustandsbericht und seinen Empfehlungen wirklich ein Ruck folgen wird, der eine Trendwende einleiten kann, bleibt fraglich.

Alles ist perfekt angerichtet: Frankreich hat die Mitgliedsstaaten von IPBES und die akkreditierten Beobachter nach Paris eingeladen, der Plenarsaal im UNESCO-Gebäude ist frisch renoviert, die Medientechnik auf neuestem Stand. Der Empfang im Naturkundemuseum fand vor spektakulärer Kulisse statt, die Rede des französischen Ministers war voller Dringlichkeit und voller Versprechen für die Zukunft. Vertreter anderer Umweltabkommen sind ebenfalls hier und die mediale Aufmerksamkeit ist wesentlich größer, als bei allen sechs IPBES-Plenarsitzungen zuvor. Wann hat die Tagesschau schon mal in den Hauptnachrichten am Eröffnungstag eines IPBES-Plenums Ausschnitte aus der Eröffnungsrede des Vorsitzenden gezeigt? Also, steht der Durchbruch kurz bevor?

Wir dürfen ja über den inhaltlichen Verlauf der Tagung nichts nach außen dringen lassen und auch nicht über die Kernbotschaften, die in der Zusammenfassung des Assessments formuliert sind, da die Mitgliedsstaaten diese ja erst Wort für Wort verabschieden müssen und dazu noch zähe Verhandlungen und lange Nachtsitzungen anstehen. Andererseits hat dieses Assessment ja keine eigene Forschung unternommen, sondern "nur" den Stand des Wissens aus bestehenden Publikationen zusammengetragen. Es kann ja daher gar nicht anders sein, als dass hier die Trends, die in den vier regionalen IPBES-Assessments vom letzten Jahr schon aufgezeigt wurden, bestätigt werden. Wir wissen längst, dass es mit der Arten-und Lebensraumvielfalt rasant bergab geht und wir wissen auch, dass Landnutzungswandel, intensive Landwirtschaft, Zerstörung natürlicher Lebensräume und Verschmutzung zu den Hauptursachen gehören. Das globale Assessment wird also wenig enthüllen, was wir nicht schon längst gewusst haben (oder hätten wissen können). Aber wir werden es jetzt zusammengefasst Schwarz auf Weiß haben, von der gesamten Wissenschaftsgemeinde bestätigt, offen und transparent zusammengetragen, mit allen Quellen, aus denen sich die Erkenntnisse speisen. Ein Durchbruch ist dann also immerhin, dass wirklich niemand mehr sagen kann, er/sie hätte nichts gewusst und es sei doch vielleicht gar nicht so schlimm. Doch, ist es, und der französische Minister übertreibt nicht, wenn er vor einem "bio-klimatischen Kollaps" warnt, und damit betont, dass Klimawandel und Biodiversitätsverlust zwei sich gegenseitig antreibende Prozesse sind, die wir nur gemeinsam angehen können.

Paris-Moment? Ruck? Wird sich erst im Nachhinein zeigen, ob es endlich zu einem Aufwachen angesichts des immer größer werdenden Problems kommt. Und es ist ja leider auch nicht so, dass nach dem Pariser Klimaabkommen plötzlich alle Weichen auf Klimaschutz gestellt worden wären, trotz der ambitionierten globalen Ziele. Auch Deutschland wird seine Klimaziele bis 2020 dramatisch verfehlen und die Jugendlichen der Fridays for Future gehen ja auch vier Jahre nach Paris nicht auf die Straße, um der Trendwende zuzujubeln, sondern um sie einzufordern. Vielleicht und hoffentlich erlangt die Biodiversitätskrise durch das globale Assessment in Zukunft auch mehr Aufmerksamkeit, aber gelöst ist sie damit noch lange nicht. Und auch wenn ich die Handlungsempfehlungen noch nicht zitieren darf: einfach weiter wie bisher steht da nicht! Wenn wir wirklich etwas bewirken wollen, müssen wir vieles ändern, und zwar nicht nur weit weg im Tropenwald (da auch und zwar dringend), sondern zu Hause und in unserem Alltag.