Was bringt das nächste IPBES – Arbeitsprogramm?

Außer mit dem globalen Bericht, der aktuell zu Recht hohe Aufmerksamkeit seitens der Medien und der Politik erhält, beschäftigten sich die Delegierten der 7. IPBES-Vollversammlung (IPBES-7) u.a. mit der Frage, wie es mit IPBES selbst weitergehen soll. Das erste, 2013 verabschiedete IPBES-Arbeitsprogramm nähert sich seinem Abschluss. Welchen Aktivitäten sollte sich IPBES in Zukunft widmen?

Die 7. IPBES-Vollversammlung fasste dazu den Entschluss, dass bis zum Jahr 2030 ein flexibles Arbeitsprogramm gilt, für welches die konkreten Aktivitäten erst schrittweise festgelegt werden (rolling work programme, IPBES/7/L.5). Auf diese Weise erhofft sich IPBES, auf aktuelle Entwicklungen reagieren und erst später aufkommende Bedarfe bestmöglich abdecken zu können.

Das neue, bis 2030 geltende IPBES-Arbeitsprogramm behält viele Komponenten des bisherigen Arbeitsprogramms bei; folgende sechs Ziele (objectives) sollen (weiterhin) verfolgt werden:
1.    Bewertung von Wissen (assessing knowledge)
2.    Aufbau von Kompetenzen (capacity building)
3.    Stärkung der Wissensgrundlagen (strengthening the knowledge foundations)
4.    Politik-Unterstützung (supporting policy)
5.    Kommunikation und Einbindung (communicating and engaging)
6.    Verbesserung der Effektivität von IPBES (improving the effectiveness of the Platform)

Konkrete Aktivitäten sollen für die Ziele 2-6 erst noch durch die jeweils zuständigen Task Forces spezifiziert und durch die nächste IPBES-Vollversammlung festgelegt werden. IPBES-8 wird in der ersten Hälfte des Jahres 2021 in Marokko stattfinden.

Sehr konkrete Beschlüsse wurden hingegen zum Ziel 1, also zu den geplanten Assessments gefasst. Durchgeführt werden demnach in den kommenden Jahren:
•    ein thematisches Assessment zu den Verknüpfungen zwischen Biodiversität, Wasser, Nahrung und Gesundheit (‚Nexus Assessment‘)
•    ein thematisches Assessment zu den Ursachen des Biodiversitätsverlusts, zu den Bedingungen transformativen Wandels sowie zu Möglichkeiten, die 2050-Vision für Biodiversität zu erreichen
•    ein methodologisches Assessment zum Einfluss und zur Abhängigkeit der Privatwirtschaft auf bzw. von der Biodiversität
•    ein technischer Bericht (technical paper) zu Biodiversität und Klimawandel, ggf. in Kooperation mit dem IPCC

Längere Diskussionen gab es während IPBES-7 über die zeitliche Planung dieser Assessments, da hierfür u.a. auch das zur Verfügung stehende Budget und die voraussichtlich starke Auslastung des IPBES-Sekretariats berücksichtigt werden musste.

IPBES-Exekutiv-Sekretärin Anne Larigauderie wies in diesem Zusammenhang noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass das IPBES-Sekretariat nur eine begrenzte Anzahl von Assessments parallel koordinieren könne. Auch angesichts der noch laufenden Aktivitäten aus dem ersten Arbeitsprogramm wurde daher ein gestaffelter Beginn der Assessments beschlossen: Unmittelbar starten sollen die Scoping-Prozesse für das ‚Nexus-Assessment‘ und für das Assessment zu den Bedingungen transformativen Wandels. Auch das technische Papier zu Biodiversität und Klimawandel wird sofort in Angriff genommen.

Des Weiteren beschloss IPBES-7, dass
•    für IPBES-9 das Scoping-Dokument für das Assessment zum Einfluss und zur Abhängigkeit der Privatwirtschaft auf bzw. von der Biodiversität vorbereitet wird,
•    IPBES-9 darüber entscheidet, ob es ein zweites globales IPBES Assessment in Angriff genommen wird, ebenso wird IPBES-9 über ein mögliches Assessment zur ökologischen Konnektivität entscheiden,
•    Vor IPBES-10 wird es außerdem einen erneuten Aufruf zur Einsendung von Anfragen und Vorschlägen für das IPBES-Arbeitsprogramm geben, über diese wird IPBES-10 befinden.

Dieser Zeitplan bedeutet, dass die neu beschlossenen Assessments erst im Jahr 2021 wirklich beginnen werden. Der am frühesten zu erwartende Bericht wird also jener zu Biodiversität und Klimawandel sein. Erste Gespräche mit dem IPCC sind hierzu bereits erfolgt, das IPBES-Sekretariat ist beauftragt, diesen notwendigen Abstimmungsprozess zwischen IPBES und IPCC weiter voran zu bringen.

Weitere Informationen zum zukünftigen IPBES-Arbeitsprogramm finden Sie unter:
http://enb.iisd.org/vol31/enb3149e.html

Vorgestellt und diskutiert werden die Ergebnisse von IPBES-7 auch auf folgender NeFo-Veranstaltung am 28. Mai 2019 in Berlin:
http://biodiversity.de/produkte/workshops/globale-wissenssynthese-biodiversitat-klima-was-verspricht-neue-arbeitsprogramm