Work Programm verabschiedet! Oder doch nicht?

von Christoph Görg, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Nach dem Conceptual Framework konnte am Donnerstag auch das eigentliche Hauptprodukt von IPBES-2 in der Kontaktgruppe verabschiedet werden: das Arbeitsprogramm. Und das hat es in sich: Über 20 Assessments sollen in den nächsten 5 Jahren durchgeführt werden, allen voran ein globales Assessment, das vorher durch viele regionale und subregionale Assessments vorbereitet werden soll [1].

Daneben noch vier thematische [2], eines davon evtl. als fast-track Assessment mit verkürzter Laufzeit, und zwei methodische Assessments zu Modellen & Szenarien und zur Bewertung. Weitere Experten- und Arbeitsgruppen wurden im Arbeitsprogramm verabschiedet, u.a. zu Capacity Bildung, zum Umgang mit Indigenen und Lokalen Wissen, zum Datenmanagement etc.

Ein wahrlich beeindruckendes Programm und ein weiterer Erfolg von IPBES-2 - und doch sind viele Fragen noch keineswegs geklärt. Noch steht alles unter Finanzierungsvorbehalt und auch bzgl. der Zeitplanung ist noch vieles offen. Das liegt z.T. daran, dass die Arbeitsbelastung, die ein solches Vorhaben für die verschiedenen Gremien des IPBES, aber auch für die Mitgliedsstaaten mit sich bringt, enorm ist. Vor allem auf das MEP und das Büro würden für 2014 extreme Anforderungen zukommen, weil vieles extrem schnell umgesetzt werden müsste. Daher sind noch verschiedene Optionen in der Diskussion, wie diese Belastung etwas zeitlich entzerrt werden kann. Eine Option wäre, das nächste Plenum vorzuziehen und ein jährliches Plenum einzurichten (und nicht, wie eigentlich vorgesehen, das nächste im Frühjahr 2015 abzuhalten). Das hätte den Vorteil, dass das Fast-Track Assessment erst zum übernächsten Plenum fertig sein müsste und auch sonst einiges etwas langsamer gehen könnte.

Ein weiteres Problem ist die Priorisierung - welche thematischen Assessments sollen zuerst durchgeführt werden? - und das Scoping der einzelnen Assessments. Die entsprechenden Dokumente wurden bis auf eines noch nicht diskutiert, da liegt noch viel Konfliktpotential verborgen. Und es könnte daher auch noch passieren, dass man sich auf das eine oder andere Vorhaben im Detail nicht verständigen kann. Dies vor allem deshalb, weil das ganze Programm ja auch finanziert werden muss. Trotz der hohen Zusagen zu Beginn der Konferenz ist aber das Budget noch keineswegs in trockenen Tüchern.

Die größten Baustellen sind aber weiterhin die Verhandlungen zu den Regeln und Verfahren. Die treten nach wie vor auf der Stelle - was fast schon eine Verharmlosung ist, denn sie gehen auch manchmal wieder rückwärts. Einige Länder haben sich auf eine Blockadehaltung verlegt, die jeden Fortschritt fast unmöglich macht. Andere Mitgliedsstaaten verbreiten den Eindruck, dass man mit den vielen Problemen auf IPBES-2 sowieso nicht mehr fertig wird und einiges auf das nächste Plenum vertagen muss. Das aber wäre absolut fatal für das schöne Arbeitsprogramm: Es wäre dann die Datei nicht wert, auf dem es abgespeichert ist. Hoffen wir, dass sie unrecht behalten!

[1] Vgl. dazu den Blog von Katja Heubach vom 12.12.2013.

[2] Zu Pollination & Food Production, zu Land Degradation & Restoration, zu Invasive Species und zu Sustainable Use - so der aktuelle Stand, der aber noch nicht bedeutet, dass diese tatsächlich alle durchgeführt werden!