Kleine Schritte vorwärts - aber auch viele offene Fragen!

von Christoph Görg, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Die Diskussionen in Antalya verlaufen eher schleppend, aber in einigen Bereichen lassen sich wenigstens kleinere Fortschritte vermelden. So konnte sich heute eine Kontaktgruppe in Grundsätzen auf das Conceptual Framework einigen (es muss aber noch im Plenum formal verabschiedet werden). Auch das Dokument zum Arbeitsprogramm wurde einmal durchgegangen, aber hier sind noch einige offene Fragen zu klären: Es gibt Bedenken wegen des ambitionierten Zeitplans, die Kosten müssen auch noch mit dem Budget abgeglichen werden und beim zentralen Thema Bewertung gibt es auch noch (kleinere?) Unstimmigkeiten zu beseitigen. Die Dokumente zum Scoping der einzelnen Assessments, die ihre Ausrichtung und Fragestellung jeweils konkret festlegen, wurden noch gar nicht behandelt.

Auch hier liegt noch viel Sprengstoff, insbesondere für die sog. Fast-Track-Assessments, die schon bald starten sollen: Ihr Scoping müsste in Antalya erfolgen. Zudem ist die Priorisierung eines oder mehrerer thematischer Assessments noch nicht abgeschlossen. Wurde von vielen zunächst ein Assessment zum Thema Bestäubung und Nahrungsmittelproduktion oder eines zum Thema Invasive Arten favorisiert, forderten Entwicklungsländer ein Assessment zum Thema Nachhaltige Nutzung.

Aufgrund der vielfältigen Querbezüge zu Themen, die in verschiedenen Arbeitsgruppen gleichzeitig verhandelt werden, müssen immer wieder ganze Passagen zurückgestellt werden, um die Ergebnisse der jeweils anderen Kontaktgruppen abzuwarten. Das betrifft neben dem Budget vor allem die Regeln und Prozeduren, nach denen der IPBES in Zukunft arbeiten soll, und hier insbesondere die künftige Zusammensetzung des Multidisziplinären Expertengremiums (MEP), die schon auf dem nächsten Plenum (IPBES-3) erfolgen soll. Daher müsste IPBES-2 die Regeln für die Neubesetzung festlegen und dafür sorgen, dass das neue MEP ausgewogener ausfällt. Viele Länder sperren sich jedoch dagegen, die Kontrolle über die Nominierung aus der Hand zu geben. Damit droht erneut ein Übergewicht männlicher Naturwissenschaftler, die sich zudem oftmals mehr als Vertreter der Interessen ihrer Herkunftsregionen verstehen.

Das ist keine Trivialität, denn neben der Unabhängigkeit dieses Gremiums stehen hier auch die Reste des Multi-Stakeholder-Charakters von IPBES auf dem Spiel. Stattdessen gewinnt der zwischenstaatliche Charakter des IPBES immer mehr die Oberhand: Regierungen versuchen seine Arbeit zu kontrollieren und viele wollen noch nicht mal akzeptieren, dass andere Stakeholder auch Experten für die verschiedenen Aktivitäten nominieren können (obwohl letztlich sowieso das Büro entscheidet). Wenn sich diese Tendenzen tatsächlich durchsetzen, dann würde IPBES in diesem Punkt sogar hinter den IPCC zurückfallen - keine rosigen Aussichten!