15 regionale Assessments geplant – eine Chance für das weitere Zusammenrücken Pan-Europas

von Katja Heubach, NeFo-Team

Das Arbeitsprogramm von IPBES sieht derzeit 15 regionale Assessments vor, die in 2018 in einem globalen Assessment zusammengeführt werden sollen. Wenngleich bislang noch unklar ist, nach welchen Kriterien man diese Regionen auswählen will bzw. welche Länder zu den derzeit verwendeten Begriffe „regional“, „subregional“ – und neuerdings sogar „ecoregional“ (dieser Begriff wurde allerdings von den Delegierten direkt wieder abgewiegelt) zugeordnet werden sollen, so ist man sich doch klar darüber, dass eine Einteilung nach den fünf UN-Regionen [1] für die Erfassung von Biodiversität einschließlich der zugehörigen Ökosystemen nicht besonders überzeugend ist. Eine biogeografische Zuordnung der Mitgliedsstaaten scheint da wesentlich sinnvoller.

Für das Gebiet Europas würde das die Zusammenarbeit über 54 Länder in drei UN-Regionen bedeuten – und eine aufregende und komplexe Mischung verschiedener Kulturen in Wissenschaft, Ökonomie, Sozialem und Politik und einer Vielzahl von Ökosystemen mit sich bringen: Westeuropa innerhalb der WEOG (Western European and Others Group), Osteuropa (EEG - Eastern European Group) sowie Teile der Region Asien-Pazifik (Asia-Pacific). Von Nord nach Süd spannt sich Pan-Europa auf zwischen dem Arktischen und dem Mediterranen, von Ost nach West von Kaukasien bis zum Atlantik. Seine enorme Vielfalt an Wissen verschiedener Wissenssysteme umfasst das westliche gleichermaßen wie traditionelles und lokales Wissen. Eine der anspruchsvollsten und langwierigsten Aufgaben in Erstellung der Assessments wird sein, dieses Wissen zu mobilisieren, zu sammeln und die ihnen zu Grunde liegenden verschiedenen Werte und konzeptionellen Vorstellungen für die gemeinsame Arbeit zusammenzubringen.

Deshalb sollte auch unmittelbar damit begonnen werden. So haben sich gleich zwei parallel Prozesse der Aufgabe verschrieben, die pan-europäischen Wissensträger auf die im Rahmen von IPBES anstehenden Aufgaben vorzubereiten. Gleich zu Beginn des Jahres, im April 2013, erneuerte sich die Pan-European Biodiversity Platform als Nachfolgerin der Pan-European Biological and Landscape Diversity Strategy (PEBLDS) auf Ihrer Tagung [pdf] im georgischen Batumi, um die 2011 in Genf beschlossene Pan-Europäische 2020 Strategie zur Biodiversität umzusetzen. Etwas später im Jahr, vom 16.-18. Juli, trafen sich dann mehr als 80 Teilnehmer/innen aus 29 Ländern – von Tadschikistan bis Island – bei der von NeFo ausgerichteten Pan-Europäischen Stakeholder Consultation (PESC)-Konferenz in Leipzig, um ihre Ansichten zu den zu dieser Zeit vorliegenden IPBES-Entwurfsdokumenten auszutauschen und konkrete Kommentare für IPBES-2 zu erarbeiten. Zahlreiche der aktiven Stakeholder nahmen an beiden Treffen teil und brachten ihre Ideen und Kapazitäten für eine konstruktive und spannende Zusammenarbeit mit vielen Synergieeffekten ein.

NeFo berichtete diese Woche in Antalya in zwei IPBES-Side Events über die Ergebnisse unserer PESC-Konferenz. Am Montag präsentierten wir im Rahmen des gemeinsam mit IUCN und ICSU organisierten Side Events die Präsentation zur Stakeholder Engagement Strategy, auf dem unter anderem auch Prof. Takeuchi von der United Nations University in Tokio von dem im September in Seoul durchgeführten Asia-Pacific Workshop zum Conceptual Framework von IPBES berichtete.

Beim gemeinsam mit der Pan-European Biodiversity Platform und unterstützt durch UNEP ausgerichtete Panel am Mittwoch ging es neben den Ergebnissen von Batumi (zu TEEB, Biodiversity Indicators, IPBES, Synergien zwischen verschiedenen Multilateralen Agreements sowie Mainstreaming der Aktivitäten der Community) auch darum, wie man in Zukunft ein gemeinsames Engagement auf den Weg bringen kann. Das könnte beispielsweise ein Forum sein, das nicht nur unmittelbar an das bereits im April in Batumi beschlossene Steering Committee sondern auch an das erst am Wochenende bei den IPBES-Stakeholder Days angeregte ‚Inclusive Forum‘ anschließen würde (siehe Blog vom 7./8. Dezember). Letzteres wurde auch in der zugehörigen Besprechung der Stakeholder Engagement Strategy im Plenum (Item 7) eingeführt (wir berichten in einem weiteren Blog dazu).

Beide Side Events machten vor allem eines noch einmal klar: Ohne das konzentrierte und kompetente Engagement der Stakeholder aus dem pan-europäischen Raum wird es kaum glaubwürdige regionale Assessments geben können. Denn das Wissen zu Biodiversität und Ökosystemleistungen sitzt kaum in den Regierungen selbst. Die eigentlichen Träger des Wissens und die Praktiker, die es letztlich anwenden, finden sich in der Vielzahl und Bandbreite der nicht-staatlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen, in den Universitäten, wissenschaftlichen Einrichtungen und Vereinigungen und bei den lokalen und indigenen Gruppen Pan-Europas. Schaffen wir es nicht, dieses Wissen umfänglich in die regionalen Assessments einfließen zu lassen, werden wir deutliche Schwierigkeiten mit der Glaubwürdigkeit und Relevanz von IPBES bekommen.

[1] Die fünf UN-Regionen sind WEOG (Western European and Others Group), EEG (Eastern European Group), Asia-Pacific, GRULAG (Group of Latin America and Caribbean States) und GAS (Group of African States).