An die Arbeit! Aber wer? Ein Kurzfazit zu IPBES-I

Carsten Neßhöver, NeFo-Team

Die erste Plenumssitzung von IPBES ist vorbei, viele der offenen prozeduralen Fragen sind geklärt, einige wenige, wenn auch wichtige, noch offen. So appellierte die EU am Ende noch einmal daran, beim nächsten Meeting (voraussichtlich im Dezember) eine Lösung für ihre Mitgliedschaft zu finden, der sich einige Länder derzeit verweigern.

Dabei gibt es auch schon viel zu tun, um IPBES "zum Laufen" zu bekommen.

Der EU-Vertreter verwies dabei explizit auf die finanzielle Unterstützung, die bei einem Beitritt der EU möglich wäre. Ihre bisherigen Zusagen hatte die EU aufgrund des ungeklärten Status' vorerst zurückgezogen. Allgemein waren die Finanzen, wie so häufig, eines der umstrittensten Themen: Die bisherigen Zusagen von ca. 7 Mio. Dollar (davon fast die Hälfte aus Deutschland) müssen sinnvoll für die Umsetzung eingesetzt werden. Trotzdem verweigerten einige Länder die Zustimmung zu einem mit mehr als sechs Personen ausgestatteten Sekretariat, das nach den Beschlüssen nun immerhin mit dieser kleinen Besetzung in Bonn aufgebaut werden kann.

So bleibt es vorerst dem Interim-Sekretariat bei UNEP (das auch das Sekretariat in Bonn administrieren wird) und bei den neu gewählten Gremien - dem Büro mit zehn und dem MEP mit 25 Mitgliedern - die wichtigen anstehenden Aufgaben bis zum zweiten Plenum Ende 2013 zu erfüllen. So sollen Büro und MEP unter anderem:

  • Ein Conceptual Framework entwickeln und dem Plenum zur Verabschiedung vorlegen (mit breiter Stakeholder-Einbindung)
  • Die nun eingehenden Anfragen von Regierungen und internationalen Abkommen an IPBES zur Durchführung von Studien bewerten und priorisieren
  • Verfahren für die Einbindung anderer Wissensformen in IPBES entwickeln
  • Einen Scoping-Prozess für akzeptierte Themen entwickeln,
  • Ein Vorschlag für die Prozeduren zur Erstellung von Reports erarbeiten, und aus all dem, last but not least
  • Einen Entwurf eines vollen Arbeitsprogrammes 2014-2018 entwickeln.

Jede dieser Aufgaben für sich genommen ist aufwändig, auch wenn teilweise schon Vorarbeiten vorliegen. Es wird daher wichtig sein, vor allem die wissenschaftlichen ehrenamtlichen MEP-Mitglieder dabei nicht allein zu lassen, sondern aus der wissenschaftlichen Community heraus zu unterstützen.

Hier zeigte sich eine erste recht erfreuliche Entwicklung bei IPBES-I: Zahlreiche Stakeholder, aus der Wissenschaft und darüber hinaus, waren anwesend und zeigten große Bereitschaft, sich in den Prozess zukünftig einzubringen, wenn dieser Beitrag auch angemessen in den Plenar-Sitzungen und den anderen Gremien möglich ist (siehe Final Stakeholder Statement). Hier ist noch einiges an Überzeugungsarbeit bei den Delegationen zu leisten. Immerhin wurden die Stakeholder aufgefordert, mit dem Sekretariat eine "Stakeholder Engagement Strategy"  zu entwickeln.

Hier, und bei der Unterstützung der oben genannten Aufgaben des MEP, wird sich zeigen, wie ernst es die Community mit einem gehaltvollen IPBES meint - und ob es dem Gremium schnell gelingt, mit guten Produkten seinen Nutzen deutlich zu machen.