Was hat die CBD mit Ebola zu tun?

Dr. Katja Heubach; NeFo-Team, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung-UFZ

Beim Thema Biodiversität und Gesundheit denkt man hier bei SBSTT-19 bereits über das Anschlussprogramm zum Strategischen Plan zur Biodiversität 2011-2020 nach. Denn bislang kommt das Thema in diesem Plan nur am Rande vor.

Das soll sich ändern, fordern einige Länder. Beispielsweise durch die One Health Initiative, ein Programm, das die verschiedenen Arbeitsbereiche der Human- und Tiermedizin zusammenbringen will – und dabei die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt explizit in den Blick nehmen will. Denn zahlreiche der menschlichen Krankheiten haben mit anderen Organismen, anderen Arten bzw. den Übertragungswegen zwischen Mensch und Tier zu tun: Pathogene, Keime, Viren, die durch Tiere auf den Menschen übertragen werden.

An dieser Stelle zeigt sich deutlich, wie eng Mensch und Umwelt zusammenhängen. Und ständig „erobert" der Mensch neue Übertragungswege. Vor allem dadurch, dass er immer häufiger in Gegenden vordringt, die er bislang nicht bewohnte oder bewirtschaftete bzw. durch das Nutzen oder Verzehren von Tieren, die Wirte für bestimmte Pathogene sind. Das betrifft insbesondere die tropischen Gebiete. Im Rest der Welt kommen die ungebetenen Gäste dann durch die Globalisierung an: Warentransport, Personenreisen. Vor allem an den Flughäfen entstehen so wahre „Ballungsgebiete" für Pathogene – eine eher negative Auswirkung des ‚Die Welt rückt zusammen'.

Jüngstes unter den derzeit prominenten Beispielen für einen solchen Neukontakt ist das Ebola-Virus. Bislang ist zwar noch nicht vollkommen geklärt woher das Virus eigentlich stammt. Als Hauptverdächtige werden jedoch Nilflughunde gehandelt. Sie sind in weiten Teilen Afrikas bis hin zur Türkei heimisch. Und sie sind die einzige Flughundeart, die auch in Europa vorkommt. Nilflughunde übertragen das Virus normalerweise auf Schimpansen und Gorillas, die in West- und Zentralafrika als „Buschfleisch" verzehrt werden. – Hier wird dann der Kontakt mit dem Menschen hergestellt.

Auch der Klimawandel bleibt nicht folgenlos im Hinblick auf neue Kontakte mit ungewollten Akteuren, denn durch die globale Erwärmung erweitern sich die Lebensräume von Arten. Die Asiatische Tigermücke zum Beispiel rückt derzeit nach Europa vor. Durchaus ein Grund zur Besorgnis: Die Tigermücke überträgt für den Menschen bedenkliche Krankheiten wie Chikungunya- und Denguefieber.

Aber sind das wirklich Probleme ‚mit' Biodiversität? Im Gegenteil, das Problem ist einmal mehr hausgemacht. Unsere Aktivitäten verkleinern, verändern und degradieren Ökosysteme. Und damit z.B. deren Kapazitäten, Pathogene in Schach zu halten: Nur ein intaktes, ausreichend großes, und vom Klimawandel nicht verändertes Waldökosystem bringt beispielsweise genügend Nützlinge hervor, um Schädlinge zu bekämpfen.

Anschluss an diese Debatte findet während der heutigen Beratungen auch das Thema, wie man Krankheiten begegnen will. Erneut spielen indigene und lokale Gemeinschaften eine große Rolle. Traditionelle Medizin könnte ein wesentlicher Bestandteil moderner Medizin werden.

Ob dieser Aspekt allerdings Eingang in die zugehörigen SBSTTA-Empfehlungen findet, wird gleich verhandelt.

Für weitere Informationen zu diesen Themen empfehlen wir Ihnen die Lektüre unseres CBD Fact Sheet 4 'Biodiversity and Health'.

 Medientipp zum Thema:

ZDF planet.e, 08.11.2015, 14.50 Uhr
AIDS, Ebola, SARS: Umweltzerstörung begünstigt Infektionskrankheiten
ZDF-Team begleitet Ulmer Forscher bei der Spurensuche im Regenwald