Nach langer Zeit wieder auf dem Tisch: die Biodiversität der Wälder

Dr. Katja Heubach; NeFo-Team, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung-UFZ

Es ist etwas her, dass sich SBSTTA mit dem Thema Wald-Biodiversität beschäftigt hat. Dass es nun wieder auf dem Tisch liegt, freut zahlreiche Regierungen und vor allem diejenigen Observer-Organisationen, die Wälder zu einem ihrer Schwerpunktthemen gemacht haben. Dazu gehören u.a. die Global Forest Coalition (GFC), die Collaborative Partnership on Forests (CPF), und die International Tropical Timber Organization (ITTO). Auch die UN hat ein spezielles Gremium, das sich ausschließlich mit Wäldern befasst, das UN Forum on Forests (UNFF).

Konsens besteht bei den Ländern darüber, dass man die auf globaler Ebene laufenden Bemühungen und Aktivitäten nun unbedingt zusammenführen müsse. Die CBD könne hierbei die Schnitt- und Schaltstelle sein, bei der die Fäden zusammenlaufen – und anschließend aus den gesammelten Informationen und Daten zu Schutz-, Erhaltungs- und Wiederaufforstungsmaßnahmen den Fortschritt bei der Erreichung der Aichi Targets, vor allem Aichi Target 5, das sich direkt auf Wälder bezieht, ableiten. Sinnvoll sei es auch, den SDG-Prozess miteinzubeziehen, dessen Ziel 15 explizit Wiederaufforstung adressiert.

Die Global Forest Coalition allerdings mahnt, dass dabei nicht unterschätzt und/oder ignoriert wird, dass bei zahlreichen Maßnahmen zur Wiederaufforstung unter den o.g. Programmen die Biodiversität gar keine Rolle spiele. Oft wären solche Maßnahmen von großflächigen Monokulturen exotischer Arten gekennzeichnet.

Eukalyptus und Teak sind zwei solcher Beispiele. Sie werden mittlerweile in vielen tropischen und subtropischen Klimata als bevorzugte Arten für die großflächige Wiederaufforstung degradierter Flächen gehandelt. Vor allem, weil sie schnellwachsende Arten sind, die von der Industrie stark nachgefragt werden (Eukalyptus wird hauptsächlich zu Papier, Teak zu Bau- und Möbelholz verarbeitet). Wenngleich das aus Entwicklungsgründen durchaus sinnvoll erscheinen mag – für lokale Kleinbauern allerdings springt selten etwas dabei heraus. Stattdessen haben sie mit den ökologischen Auswirkungen dieser Arten zu kämpfen: Was schnell wächst, braucht zumeist auch viel Wasser. So zapfen Eukalyptus und Co. bald auch das Grundwasser an und gefährdet so oft die lokale Versorgung mit sauberem Wasser. Ihr Anbau führt nicht selten auch zur Verarmung bzw. chemischen Veränderung der Böden, sichtbar daran, dass kaum noch etwas unter ihnen wächst. Und leider sind sie auch nur selten begehrte Habitate: Kaum ein Vogel oder ein Insekt macht sie sich zum Lebensraum.

Das sieht auch das International Indigenous Forum on Biodiversity (IIFB) so. Sie fordern eine grundlegende Überarbeitung der Definition von Wäldern: Monokulturen dürften unter keinen Umständen darin vorkommen. Und betonen weiterhin, dass die Rechte der in oder von Wäldern lebenden indigenen Völker ohne Ausnahme durchgesetzt werden müssten, inklusive eines gerechten Benefit-Sharings.

Bolivien kann das nur bekräftigen. Für das südamerikanische Land ist es besonders wichtig, dass Forstmanagement gesamtheitlich betrachtet und umgesetzt wird. Dazu zählten insbesondere weitereichende Partizipation relevanter Stakeholder der jeweiligen lokalen und indigenen Völker, aber auch Themen wie Fairer Handel oder Agroforstsysteme und deren Rolle bei der Armutsbekämpfung.

Die Länder haben gerade ihre Kommentare zu den SBSTTA-Empfehlungen beim CBD Sekretariat eingereicht. Heute Abend werden die Änderungsvorschläge dann verhandelt.

 

Für weitere Informationen zu diesen Themen empfehlen wir Ihnen die Lektüre unseres CBD Fact Sheets zu Wäldern: CBD Fact Sheet 3 'Forest biodiversity in international conservation policies and negotiations'.