Wie man im CBD-Prozess Fortschritt misst

Dr. Katja Heubach; NeFo-Team, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung-UFZ

 

Der Strategische Plan zur Biodiversität 2011-2020, den die CBD 2010 als Antwort auf die ernüchternden Ergebnisse hinsichtlich des 2010-Biodiversitätsziel – den Verlust der biologischen Vielfalt signifikant zu reduzieren - erstellt hat, ist mittlerweile in der Halbzeit angekommen. Wie weit aber sind die Länder bereits gekommen? Bei welchen der 20 Biodiversitätsziele, der sog. Aichi Targets, sind gute Fortschritte zu verzeichnen, bei welchen gibt es Verbesserungsbedarf?

Um das zu festzustellen, hat die CBD bei der Verabschiedung des Strategischen Plans auch die Entwicklung von Indikatoren beschlossen, anhand derer man ablesen kann, wo die Länder stehen hinsichtlich der einzelnen Ziele. Auf dem Tisch liegt mittlerweile eine recht lange und umfassende Liste möglicher Indikatoren. Entwickelt hat sie eine extra hierfür eingerichtete Expertengruppe (Ad Hoc Technical Expert Group on Indicators), die bereits zur 11. Vertragsstaatenverhandlung in 2012 erste Entwürfe vorgelegt hatte. In den letzten beiden Jahren ist daran, unter Mitwirkung vieler ExpertInnen, viel getüftelt, verbessert, ergänzt wurden.

Nun existieren für fast alle Ziele Vorschläge für Indikatoren. Unterschieden wird dabei zwischen ‚generic indicators' und ‚specific operational indicators'. Während erstere eher die Reichweite bzw. die Betrachtungsebene des jeweiligen Indikators beschreiben, sollen die operationalen Indikatoren letztlich zur Quantifizierung genutzt werden.

Ein Beispiel: Ziel 4 des Strategischen Plans adressiert nicht-nachhaltige Produktions- und Konsummuster. Staaten und andere Stakeholder sollen bis 2020 Pläne zur Verbesserung der ökologischen Bilanzen von Produkten liefern. Beobachtet werden soll das beispielsweise anhand der Populationsgrößen und Aussterberisiken ökonomisch genutzter Arten (generischer Indikator). Wie aber kann das gemessen werden? Beispielsweise über den IUCN Rote Liste Index, der die Änderungen der Aussterberisiken von Artengruppen über die Zeit zeigt (operationaler Indikator). Ein großer Vorteil dieses Indikators: Er liegt bereits vor.

Tatsächlich ist das bislang leider nur für eine geringe Zahl der Aichi Targets der Fall. Denn die meisten vorgeschlagenen operationalen Indikatoren – sofern vorhanden – sind derzeit entweder schlecht kommunizierbar oder aber nur schwer auf die nationale Ebene anzuwenden.

Auch hier ein Beispiel: Einer der generischen Indikatoren zu Ziel 10, das zum Schutz der Korallenriffe führen soll, adressiert die allgemeine Reduzierung der anthropogenen Einflüsse auf diese Ökosysteme (generischer Indikator). Als operationaler Indikator soll der Verlust mariner Biodiversität durch die Versauerung der Ozeane dienen. Allerdings ist bislang unklar, wie genau man diesen Verlust quantifizieren kann. (Ganz zu schweigen davon, dass Ziel 10 bereits in 2015 hätte erreicht sein sollen!)

Allerdings könnte hier Hilfe durch einen anderen Prozess geleistet werden: Dieser Indikator ist den UN-Nachhaltigkeitszielen entnommen. Dass man sich der Entwicklungen in anderen internationalen, thematisch angelehnten Prozessen bedient, ist übrigens Programm: Nicht nur die Stakeholder, auch die Länder selbst sehen zunehmend Bedarf darin, Arbeit und Zeit, die in die zahlreichen Prozesse investiert wird, nicht doppelt oder dreifach zu investieren. Der Ruf nach effektiver und effizienter Zusammenarbeit wird größer. Das betrifft auch andere Bereiche der CBD, beispielweise das Thema Mainstreaming (siehe Blog zum Forschungsbedarf der CBD).

Die Liste der vorgeschlagenen Indikatoren wurde nun unter den Delegierten beraten. Die Mehrheit der Länder ist sehr zufrieden mit dem Fortschritt, sieht aber weiteren Überarbeitungsbedarf. Gewünscht wird, dass weitere externe ExpertInnen hinzugezogen werden, die die Liste bis zur nächsten SBSTTA-Sitzung Mitte 2016 begutachten und ggf. weiterentwickeln. Vor allem die Operationalisierbarkeit der Indikatoren bleibt eine große Baustelle.

Wichtig scheint aber auch, so einige Länder, dass Unterstützung bei der Anwendung der Indikatoren geleistet wird. Vor allem die sog. Entwicklungsländer sehen sich häufig nicht in der Lage, Maßnahmen der CBD ohne entsprechendes Capacity Building und adäquate Finanzierung umzusetzen.

Zur COP-13 im Dezember 2016 sollen die Indikatoren dann endlich verabschiedet werden. Was zunächst erst einmal nur heißt, dass sie auf globaler Ebene existieren. Die Länder müssen sie anschließend noch auf ihre nationalen Ziele anpassen – und schließlich anwenden. Das wird der spannendste Teil: zu sehen, wo die Länder dann tatsächlich stehen bei der Erhaltung der Biodiversität. Zu hoffen bleibt, dass die Bilanz gut ausfällt, denn viel Zeit bleibt dann nicht mehr für die Umsetzung des Strategischen Plans 2011-2020.

 

Für weitere Informationen zum Forschungsbedarf der CBD empfehlen wir Ihnen die Lektüre unseres CBD Fact Sheet ‚Measuring progress towards the CBD Strategic Plan for Biodiversity 2011-2020: the biodiversity indicator framework ', das kurz und knapp die wichtigsten Informationen zusammenfasst.