Was weg ist, ist weg – mehr Meeresschutz durch die Ausweisung von EBSAs?

Dr. Katja Heubach, NeFo-Team, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung -UFZ

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Portrait von Katja Heubach
Katja Heubach
UFZ

70 % der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Das blaue Nass erstreckt sich um den gesamten Globus, von Ost nach West, von Nord nach Süd. Es transportiert Wärme, Kohlenstoff, Karbonate und Stickstoff und spielt eine Hauptrolle im globalen Klimakreislauf. In den fünf Weltmeeren schwimmt aber auch unsere größte Quelle für Nahrungseiweiß, Fisch und Meeresgetier in allen Formen und Farben. Eine faszinierende Welt von marinen Lebewesen, mal weich, mal hart, mal schillernd bunt, mal ganz unscheinbar. Rund eine Milliarde Menschen weltweit bezieht ihr Eiweiß aus den Meeren und angrenzenden Ökosystemen, wie beispielsweise den Mangroven.

Wie für so viele andere natürliche Systeme gilt allerdings auch hier: Die ausgeklügelte Ökologie dieser Systeme und ihre Biodiversität sind durch menschliche Aktivitäten, darunter Überfischung, Verschmutzung, Abbau von Bodenschätzen, Einführung von invasiven Arten, Lärmbelastung sowie klimabedingte Erwärmung, massiv bedroht.

Derzeit sind rund 0,8 Prozent der Ozeane und 6 Prozent der Landmeere in Schutzgebieten erfasst. Das reicht jedoch längst nicht, um die Gesundheit der Meere wiederherzustellen. Die CBD hat daher in ihrer neunten Sitzung in 2008 (COP-9) in Bonn die Ausweisung von marinen Gebieten mit besonderer ökologischer und biologischer Bedeutung (Ecologically or Biologically Significant Marine Areas, EBSAs) beschlossen. Die EBSAs sollen den Mitgliedsstaaten der CBD sowie regionalen und internationalen Organisationen erleichtern, besonders schützenswerte Gebiete zu erkennen und in ihren Politiken und Managementplänen adäquat zu berücksichtigen.

Die Ausweisung von EBSAs erfolgt anhand sieben wissenschaftlicher Kriterien: i) Einzigartigkeit oder Seltenheit, ii) spezielle Bedeutung für die Entwicklungsstadien von Arten, iii) Bedeutung für bedrohte oder zurückgehende Arten und/oder Lebensräume, iv) Vulnerabilität, Fragilität, Sensibilität, oder geringe Erholungskapazität, v) biologische Produktivität, vi) biologische Biodiversität sowie vii) Natürlichkeit des Gebietes.

Die 10. Vertragsstaatenkonferenz (COP-10) 2010 in Nagoya beschloss, eine Reihe von regionalen Workshops zur Identifizierung von EBSAs durchzuführen. Deren Ergebnisse dienen nun der aktuellen Besprechung in SBSTTA-18 als Grundlage. Festgehalten sind darin vor allem, welche Gebiete die EBSA-Kriterien erfüllen, welche Maßnahmen zu deren Schutz erforderlich sind sowie Lücken in der wissenschaftlichen Beschreibung und Datenlage von Gebieten, die eine Ausweisung als EBSA zum jetzigen Zeitpunkt erschwert.

Die Mehrheit der Mitgliedsstaaten hat in der heutigen Sitzung ihre Unterstützung für die Ergebnisse der Workshops und die Definition der EBSAs ausgesprochen. Besonders wichtig sei jetzt aber, den EBSA-Prozess mit anderen regionalen und internationalen Bemühungen zum Schutz der Meere zu verlinken. Zu diesen gehören beispielsweise die Bemühungen von IUCN, UNEP und FAO im Hinblick auf besonders vulnerable marine Ökosysteme. Die marine Forschung könne sich hier ebenfalls fokussieren – unter effektiver Berücksichtigung von traditionellem Wissen und gestärkt durch einen robusten Peer-Review-Prozess. Afrika und weitere Länder des sich entwickelnden Südens betonten weiter, dass die Betrachtung der sozio-ökonomischen Aspekte im Vordergrund stehen sollte und die Ausweisung von EBSAs ein entsprechendes Capacity Building erfordere.

Die Kritik an den EBSAs fokussierte sich auf ein großes Thema: Man müsse sich deutlich machen, dass der EBSA-Prozess zunächst eine wissenschaftliche und keine politische Übung sei. Die Entscheidung zur Einrichtung der EBSAs obliege weiterhin den nationalen Regierungen. Vor allem Norwegen betonte diese Unterscheidung. Argentinien führte hier weiter aus, dass die momentan vorgeschlagenen EBSA-Gebiete mehrheitlich außerhalb nationaler Gesetzgebung lägen – und damit keinerlei Verantwortlichkeiten für Mitgliedsstaaten entstünden. Diese Bedenken wurden auch von Portugal geteilt, das die Gesetzgebung bei den Küstenanrainerstaaten sieht.

Für heute Abend wird ein Conference Room Paper zu diesem Thema sowie zu den weiterhin besprochenen – dazu zählen Lärmbelastung, Verschmutzung, Erwärmung und Korallenbleiche – erwartet. Es bleibt spannend, wie die Frage der Legislative angegangen wird.