SBSTTA-18: los geht’s – große und kleine Delegationen und die ersten Agendathemen

Dr. Katja Heubach, NeFo-Team, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung -UFZ

Pünktlich um 10 Uhr an diesem Montagmorgen startete die 18. Sitzung des Wissenschaftlichen Beirates (SBSTTA) der Konvention über die Biologische Vielfalt (CBD) im Plenarsaal der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) mit Sitz in Montreal.

Der Raum ist gut gefüllt. Rund 450 Delegierte, ausgestattet mit Simultanübersetzung und Mikrofonen, lauschen den Kommentaren der Kollegen und Kolleginnen aus den insgesamt 194 Mitgliedsstaaten der CBD (nicht alle anwesend). Einige Delegationen sind von jeher stärker besetzt als andere. Russland beispielsweise wird seit Jahren durch genau einen einzigen Mann repräsentiert. – Auch ein Ausdruck des eher marginalen Interesses des Riesenstaates, dessen Landmasse und Biodiversitätsinventar eigentlich eine adäquatere Repräsentanz erfordern würden, möchte man meinen. Schließlich hat die CBD nicht weniger als sieben umfassende Arbeitsprogramme, darunter z.B. eines zu Wäldern, Meeren und Küsten, Trockengebieten sowie Bergregionen. Hinzu kommen weitere 19 themenübergreifende Programme, die hauptsächlich Querschnittsthemen betrachten. Das sind beispielsweise Klimawandel und Biodiversität, Ökonomie und Handel oder auch Gender und Biodiversität. Wie das für eine Person zu schaffen ist, bleibt ein Mysterium.

Besser aufgestellt sind da die südkoreanischen Kolleg/innen, die mit geschätzten 15 Delegierten einen der Riesen unter den anwesenden Delegationen ausmachen (nur China weiß mit rund 20 Delegierten noch zu übertreffen!). Das hat natürlich nicht nur inhaltliche Gründe. Südkorea ist Austragungsort der im kommenden Oktober stattfindenden 12. Plenarsitzung der CBD-Mitgliedsstaaten, der sog. Conference of the Parties (COP), für die rund 20.000 Teilnehmer/innen erwartet werden. Da heißt es, aufmerksam für die Interventionen im Plenum sein und die Zwischentöne in den Fluren aufschnappen. Schließlich soll während der COP-12 die „PyeongChang Roadmap“ entwickelt werden, eine gemeinsame Strategie zur Erreichung der internationalen Biodiversitätsziele (Aichi Biodiversity Targets).

Auch die italienische Delegation ist bei diesem SBSTTA-Meeting mit sieben Personen zahlreich vertreten. Auch hier ist nicht die Themenfülle allein ausschlaggebend. Italien wird ab Juli die EU-Ratspräsidentschaft von Griechenland übernehmen und ist damit in der Zeit der COP-12 für die Koordination der EU-Mitgliedsstaaten zuständig.

Nachdem heute Morgen organisatorische Angelegenheiten geklärt wurden, darunter z.B. die Neubesetzung des SBSTTA-Büros, ist nun Raum für Inhalte. Gemäß Agenda wurden bereits der 4. Zwischenbericht zur Erreichung der Aichi-Biodiversitätsziele (Fourth Global Biodiversity Outlook, GBO-4) sowie die Umsetzung der Globalen Strategie zum Schutz der Pflanzen 2011-2020 (Global Strategy for Plant Conservation, GSPC) diskutiert.

Gerade bespricht man sich zu einer möglichen Zusammenarbeit zwischen der CBD und IPBES, der Wissenschafts-Politik-Plattform für Biodiversität und Ökosystemleistungen, die im Januar ihr umfangreiches Arbeitsprogramm aufgenommen hat. Die Unterstützung für eine enge Verzahnung der beiden Prozesse, um größtmögliche Synergien zu schaffen, ist sehr groß. Gerade die Länder des Globalen Südens erhoffen sich aus dem inklusiven Design von IPBES, das neben Assessments die Entwicklung gemeinsamer Politikwerkzeuge, Kapazitätsaufbau und ein breites Stakeholder-Engagement vorsieht, starke Impulse für eine raschere, langfristige und umfassende Umsetzung der Biodiversitätsziele.

Bislang ist alles im Plan. Der Leiter dieser Session (ein Mitglied des SBSTTA-Büros) wird auch dafür sorgen, dass das so bleibt. Sein wiederholtes Mahnen, sich doch kurz zu fassen, klingt in den zahlreich stark gekürzten Statements der Mitgliedsstaaten nach.

Ausklingen wird dieser erste Sitzungsabend mit dem offiziellen Empfang der Delegierten und Beobachter von SBSTTA-18 durch das CBD Sekretariat. Morgen geht es hauptsächlich mit marinen Themen weiter. Spannend wird es auch am Nachmittag werden, wenn das heiß diskutierte Thema Synthetische Biologie auf der Agenda steht.