Biodiversität und Klimawandel: zwei Konventionen, zwei paar Schuhe – oder doch zwei Seiten einer Medaille?

Dr. Katja Heubach, NeFo-Team, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung -UFZ

Sowohl Klimawandel als auch Biodiversität sind heiße Eisen. Und weil sie zwei der wichtigsten Themen unserer Zeit sind, für die wir jetzt die richtigen Weichen stellen müssen, haben wir uns als internationale Staatengemeinschaft entschlossen, ihnen jeweils eine Konvention zu widmen.

Beide Konventionen, die Klimarahmenkonvention (UNFCCC – United Nations Framework Convention on Climate Change) und die Biodiversitätskonvention (UNCBD – United Nations), sind 1992 bei der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (oder auch Earth Summit oder Rio-Konferenz) in Rio de Janeiro verabschiedet worden.

Bislang behandelten die beiden Abkommen Themen, die in den jeweiligen Bereichen relativ gut voneinander zu trennen waren. Das globale Klima lässt sich nur schwer auf die vor allem lokale (wenngleich international bedeutsame) Biodiversität abbilden. Belebt durch die jüngsten Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Forschung bahnt sich allerdings zunehmend die Erkenntnis ihren Weg, dass beide Prozesse im Kern eben nicht zu trennen sind – weder wissenschaftlich noch politisch. Das betrifft einerseits die Erkenntnis, das die Erhaltung der Biodiversität, konkreter: die Stabilisierung von Ökosystemen, maßgeblich zur Regulierung des Klimas beiträgt. Hier spielen beispielsweise Wälder und Meere aufgrund ihrer CO2-Senkenfunktion eine entscheidende Rolle. Und es betrifft andererseits die Erkenntnis, dass man diese Zusammenhänge auch im politischen Prozess gemeinsam abbilden muss. Das heißt vor allem auch: Klima darf nicht vor Biodiversität gehen.

Das ist jedoch derzeit der Fall, schaut man sich die Ausgestaltung der Klimaschutzinstrumente unter dem Kyoto-Protokoll, dem Zusatzprotokoll zur Klimarahmenkonvention, genauer an. Das 2007 unter diesem Protokoll verabschiedete Klimainstrument REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) sieht zwar die gezielte Erhaltung großflächiger Wälder als Kohlenstoffspeicher vor. Es betrachtet jedoch nur die absolute Menge an Kohlenstoff, die durch den Stopp der Abholzung dieser Wälder nicht in die Atmosphäre gelangt. Andere Leistungen der Wälder werden nicht erfasst: Weder die Lebensraumfunktion, noch die Wasser- oder Bodenregulierungsfunktion der Waldbiodiversität spielen eine Rolle. Ganz zu schweigen von den rund 1,6 Milliarden Menschen weltweit, die den Großteil ihrer täglichen Grundbedürfnisse über die Wälder decken.

Die CBD strebt daher seit einiger Zeit die Konsolidierung der Bemühungen beider Konventionen im REDD-Mechanismus an. Erhaltungsgebiete unter REDD sollen zukünftig gleichermaßen hinsichtlich ihrer Kohlenstoff-Speicherkapazität und anderen Ökosystemleistungen ausgewählt werden und die Rechte der ansässigen Bevölkerung sichern. Ein holistischer Blick also, den die CBD hier forciert.

Das allerdings wird nicht von allen Mitgliedsstaaten so gesehen. In der heutigen Diskussion trennten sich klar die Lager: Die einen favorisieren die strikte Trennung der Zuständigkeiten der beiden Konventionen, die anderen sehen im REDD-Prozess eine wesentliche Chance, Biodiversität endlich in die Klimapolitik zu bringen. Gerade die Gruppe der afrikanischen Staaten plädiert für eine gesamtheitliche Politik. – Verständlich, ist das Thema in den ländlichen Gebieten des Kontinents doch ein deutlich prägnanteres als im alten Europa oder Nordamerika. Aber auch Europa hat den Zahn der Zeit erkannt und unterstützt diese Forderung. Die Staaten, die sich dagegen aussprechen, das sind vor allem Malaysia, Indien und Brasilien, fürchten womöglich eine Konfusion der Mandate der beiden Konventionen – oder scheuen die Mehrarbeit, der SBSTTA beim Beschluss, eine Empfehlung an die COP zu formulieren, entstehen würde. Wir werden sehen, wie sich die Staatengemeinschaft letztlich entschließen wird.