Die Besinnung auf das Mandat: Der Versuch, mit einem neuen Format wieder stärker wissenschaftlich zu arbeiten

Katja Heubach, NeFo-Team, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung -UFZ

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Portrait von Katja Heubach
Dr. Katja Heubach
UFZ

Der Wissenschaftliche Beirat der Konvention zur Biologischen Vielfalt SBSTTA hat die Aufgabe, die Zusammenkunft der Mitgliedsstaaten der Konvention, die sog. COP (Conference of the Parties), zu technischen und wissenschaftlichen Belangen zu beraten. Bislang erfolgte das in Form von Empfehlungen zu den Beschlussvorlagen, die vom Sekretariat der Konvention zu einzelnen Arbeitsthemen erstellt wurden. Auf Grundlage dieser Beschlussvorlagen konnten die Mitgliedsstaaten im Vorfeld der SBSTTA-Sitzung Kommentare erarbeiten, die anschließend im Plenum vorgetragen und diskutiert wurden. Im Laufe seiner Geschichte entwickelte sich SBSTTA so immer stärker zu einem Ort der Vorverhandlungen für die COPs, den eigentlichen Verhandlungstreffen, und brachte ihm die Kritik ein, nicht mehr ausreichend unabhängig und wissenschaftlich, sondern zunehmend politisiert zu sein. 

Bei SBSTTA-17 soll nun alles anders sein. Die aktuelle, einwöchige Sitzung des Gremiums am Sitz des CBD Sekretariates in Montréal, Kanada, steht ganz unter dem Zeichen der Rückführung des Beirats zu seinen Wurzeln: wissenschaftlich sein. Und so versucht das neue SBSTTA-Formateine wissenschaftliche Konferenz nachzuempfinden, bei der die geladenen Teilnehmer und eigens eingeladenen Referenten von eigenen Projekten und Studien erzählen, thematische Redebeiträge liefern und eindrückliche Bilder von imposanten Großsäugern, gerodeten Amazonaswäldern oder auch zu entwickelnden Datenknoten auf Power Point-Folien über die Präsentationswände flimmern. Im Anschluss können die Delegierten der Mitgliedsstaaten inhaltliche Fragen stellen und Kommentare äußern. Insgesamt werden die ersten drei Tage diesem Format folgen. Die beiden letzten Tage dienen der Zusammenfassung der eingebrachten Kommentare, aus denen – sowie aus schriftlich eingegangenen Kommentaren – anschließend  Schlussfolgerungen (‚conclusions‘) für die COP-12 erarbeitet werden sollen, die das SBSTTA-Plenum einhellig befürworten und verabschieden muss.

Eigentlich eine gute Idee, die Wissenschaft zurück in den Wissenschaftlichen Beirat zu bringen. Wie zu erwarten war, stand das neue Format von SBSTTA jedoch von Anfang an auch in der Kritik. Zweifel wurden insbesondere im Hinblick auf seine Effektivität laut: Welche Ergebnisse kann man von der Sitzung erwarten und wird das Format, in das sie gefasst werden, für die Delegierten der kommenden COP tatsächlich hilfreich sein? Können die ‚conclusions‘, die aus den zwar thematisch organisierten, jedoch wesentlich „loseren“ kommentierten Vorträgen abgeleitet werden, die von den ‚recommendations‘ gewohnten, bereits vorverhandelten Inhalte adäquat ersetzen? Wird der gesetzte Zeitrahmen ausreichen, um die Ansichten der Mitglieder in ‚conclusions‘ zu gießen? – Schon munkelt man auf den Fluren, man würde sich auch Samstag noch einmal im Plenarsaal der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation treffen müssen, um den Prozess abzuschließen. Ggf. wird es aber auch einzelne ‚recommendations‘ zur direkten Übermittlung an die COP geben, räumte der aktuelle Vorsitzende des SBSTTA, Gemedo Dalle Tussie, gleich zu Beginn der Sitzung ein. Die Vertreter der belgischen Regierung wiesen darauf hin, dass in jedem Falle eine Evaluierung des Treffens nötig sei, um festzustellen, ob das neue Format auch Mehrwert für den SBSTTA-Prozess habe.

Viele offene Fragen, auf die es Ende dieser Woche, spätestens aber mit Ausgang der nächsten COP in Korea Antworten, geben wird. Für den Moment bedeutet es zunächst einmal eine Menge Schreibarbeit für das CBD Sekretariat und seine Rapporteure, um die wichtigsten Kommentare richtig zu fassen und kohärent zu präsentieren. Die Finger der Report-Schreiber hinter mir jedenfalls fliegen über die Tastaturen. Nur gut, dass sie später von den ‚Freunden des Vorsitzenden‘ (‚friends of the chair‘) bei der Erarbeitung der ‚conclusions‘ unterstützt werden.