Korallenriffe in Not - COP 12 verabschiedet Maßnahmenkatalog

Dr. Axel Paulsch, Institut für Biodiversität - Netzwerk e.V. (ibn)

Eines der Ziele des strategischen Plans war es, bis 2015 die Situation der stark bedrohten Korallenriffe zu verbessern. Die Zwischenbilanz des GBO 4 allerdings macht klar, dass dieses Ziel nicht nur komplett verfehlt werden wird, sondern dass sich im Gegenteil der Zustand der Riffe weiterhin verschlechtert, weil die Schädigungsfaktoren nicht erfolgreich bekämpft werden. COP 12 hat nun erkannt, dass konkrete Schritte dringend nötig sind und einen entsprechenden Maßnahmenkatalog verabschiedet. Besser spät, als nie, aber ob die Korallenriffe zu retten sind, liegt nicht allein in den Händen der CBD.

Korallenriffe gehören zu den sog. Hotspots der Biodiversität, also zu den Orten, an denen besonders viele verschiedene Arten pro Fläche zu finden sind. Gleichzeitig beherbergen sie besonders viele hoch spezialisierte Arten, die nur dort vorkommen und Veränderungen ihrer Umwelt gegenüber sehr empfindlich sind. Die durch den Menschen verursachten Veränderungen wirken sich also in Korallenriffe besonders drastisch aus. Zu den Bedrohungsfaktoren gehören die Erwärmung der Meere, die Versauerung (beides durch Klimawandel angetrieben), Überfischung und touristische Übernutzung. Durch das zunehmend zu beobachtende Absterben der Riffe ist aber nicht nur die Artenvielfalt bedroht, sondern auch die Lebensgrundlage der Menschen, die von den Riffen leben (Fischer genauso wie die Tauchtourismusbranche).

Was kann die CBD als internationales Umweltabkommen tun? Das stärkste Instrument, das der COP zur Verfügung steht, ist, die Vertragsstaaten zu drängen, Maßnahmen umzusetzen (statt sie z.B. nur einzuladen, die Umsetzung in Erwägung zu ziehen). Im Falle der Korallenriffe hat COP 12 gestern Abend in ihrem Beschluss zu dieser stärkst möglichen Formulierung gegriffen und drängt die Staaten zur Umsetzung (urges to implement) einer Liste von Maßnahmen, die ziemlich ambitioniert ist. In dieser Liste stehen z.B. Maßnahmen wie:

  • gesetzliche Regelungen zu erlassen bzw. ihre Einhaltung zu kontrollieren, um Überfischung der Riffe zu unterbinden;
  • die Wasserverschmutzung von Flüssen, Küstengewässern und um Ferieninseln durch entsprechende Reinigungsanlagen zu reduzieren, und durch die Verhinderung von Bodenerosion die Sedimentfracht zu verringern;
  • das Management von Schutzgebieten zu bessern, sodass die Schutzziele auch erreicht werden können;
  • den Tourismus in Riffen umweltverträglicher zu gestalten;
  • Finanzhilfen zur Verfügung zu stellen;
  • Strukturen für nachhaltiges Wirtschaften der Menschen zu schaffen, die von Korallenriffe leben;

Alles Schritte in die richtige Richtung, wenn sie denn umgesetzt werden. Aber zwei der großen Treiber des Korallensterbens sind damit nicht zu packen: die Erwärmung der Meere und die Versauerung (die es den kalkbildenden Korallen so schwer macht, Riffe zu bauen). Das wird nur gelingen, wenn sich der Klimawandel bremsen lässt. Und dazu müssen sich die Staaten der Welt dringend auf Klimaabkommen einigen. Die werden aber unter der Klimarahmenkonvention verhandelt. Da sitzen die gleichen Staaten am Tisch wie hier (sogar die USA, die hier ja fehlen). Wo ein Wille wäre, wäre also sicher auch ein Weg. Das Problem der Korallenriffe ist daher ein Paradebeispiel dafür, dass "die Umweltschützer" alleine wenig ausrichten können, wenn andere Sektoren unserer Gesellschaft nicht am gleichen Strang ziehen.

Aber immerhin: die CBD tut, was sie kann und das ist ein positives Zeichen von COP 12.