COP12-Thema Meeresschutz: Lieber nicht die Ursachen prüfen

Dr. Axel Paulsch, Institut für Biodiversität - Netzwerk e.V. (ibn)

Beim Programmpunkt der Meeresgebiete bei der COP12 war es wichtig, die in verschiedenen Weltregionen erarbeiteten Ergebnisse aufzugreifen und die Liste der Meeresgebiete, die den Kriterien für besondere Wertschätzung unter biologischen und ökologischen Aspekten genügen (EBSAs), an die Vereinten Nationen weiter zu leiten, damit eine wissenschaftliche Basis gelegt wird, um die Auswahl der Schutzgebiete in internationalen Gewässern auf wissenschaftlicher Grundlage treffen zu können.

Dies ist zumindest im zu verabschiedenden Papier gelungen und die Liste wird weiter geleitet werden. Schade bis peinlich dabei ist, dass ausgerechnet Europa hier Schwierigkeiten gemacht hat. Nicht etwa wegen wissenschaftlicher Kriterien, sondern aus politischem Gezänk.

Großbritannien war politisch verstimmt, dass man sie nicht zu dem Treffen eingeladen hatte, in dem über Gebiete im Mittelmeer gesprochen wurde, wo sie doch dank ihrer Kronkolonie Gibraltar ein Anrainerstaat seien.
Spanien hielt dagegen und es gab politische Verstimmungen, die die EU als Ganzes zu diesem Thema zeitweise stumm schalteten, da die EU laut Lissabonvertrag bei internationalen Umweltverhandlungen ja mit einer gemeinsamen Stimme sprechen MUSS.

Aus dem Vorschlag, in den entsprechenden Gebieten den Einfluss menschlicher Eingriffe zu untersuchen, wurde nun eine typisch "weichgespülte" Formulierung, nachdem einige Länder, vor allem Argentinien, diesen Absatz ganz streichen wollten. Es heißt nun, dass diejenigen, die das gerne wollen, in den Gebieten den Zustand der biologischen Vielfalt untersuchen können. Der Bezug zu den menschlichen Aktivitäten als Quelle der Schädigung ist also aus dem Beschluss weg verhandelt worden. Das klingt nicht nach wirklich ambitioniertem Handeln in Richtung Abbau der Überfischung.

Fazit: Gut, dass man die Liste hat (das war wichtig), aber schade, dass man sich nicht traut, die Gefahrenquellen beim Namen zu nennen. Hier haben die Interessen der Fischereiwirtschaft mal wieder überwogen.