Synthetische Biologie bei der COP 11

Dr. Niels Thevs, Universität Greifswald

Stellen Sie sich vor, Sie bestellen im Internet Ihre Wunsch-DNA, die, eingebaut in einen Mikroorganismus, medizinische Wirkstoffe, Kunststoffe, Biofuels oder biologische Kampfstoffe herstellen kann. Forschungseinrichtungen und Unternehmen haben erste Verfahren entwickelt, mit denen völlig neue DNA einfach synthetisiert werden kann, so dass Organismen mit neuen Eigenschaften hergestellt werden können. Die Entwicklung schreitet sehr schnell voran, und es werden große Hoffnungen auf effiziente biologische Produktionswege für Energieträger, Bio-Kunststoffe, Fasern oder Medizin durch neu kreierte Bakterien oder Algen gesetzt.

Synthetische Biologie war wegen ihrer Implikationen ein Thema oder zumindest ein Stichwort auf vielen Side Events auf der COP 11 in Hyderabad: Abschirmung von Organismen mit synthetischer DNA von der Umwelt, Auswirkungen auf das Nagoya-Protokoll, Verbreitung biologischer Kampfstoffe, Nachfrage nach Biomasse.

Seitens u.a. südamerikanischer NGOs wird befürchtet, dass das Nagoya-Protokoll unterlaufen werde. Sobald die DNA z.B. einer medizinisch verwertbaren Pflanze bekannt sei, können die für die Verwertung entscheidenden DNA-Sequenzen außerhalb des Verbreitungsgebietes der entsprechenden Pflanze hergestellt und dort unkontrolliert verwendet werden.

Da Öl als Rohstoff für Kunststoffe endlich ist, müssen Alternativen gefunden werden und Konsummuster überdacht werden. Biomasse ist eine naheliegende Alternative. Biomasse ist auch der Rohstoff für die ganzen Produktionswege, die die synthetische Biologie eröffnen soll. Wenn die synthetische Biologie sich so schnell entwickelt wie hier auf der COP 11 von vielen erwartet, dann wird der Bedarf an Biomasse stark ansteigen und Flächen werden, wie durch Biofuels heutzutage, aus der Nahrungsmittelproduktion genommen mit steigenden Lebensmittelpreisen als Folge. Biomasse sollte daher von Flächen kommen, die nicht in Konkurrenz zu Nährungsmittelproduktion stehen, wie z.B. Schilfflächen oder Standorte geringer Produktivität.