Implementation, Implementation, Implementation…

Cornelia Paulsch, Institut für Biodiversität - Netzwerk e.V. (ibn)

Implementation, Implementation, Implementation … ist bei COP 11 in Hyderabad der aktuelle Schlachtruf…. aber wissen sie auch, was sie tun?

Bei der Berichterstattung über die COP 11 in Hyderabad wird immer wieder hervorgehoben, dass die spannendste und heikelste Debatte in Hyderabad jene um das Geld sei. Aller Augen sind darauf gerichtet, ob es genug Finanzmittel geben wird, um die 2010 in Nagoya verabschiedeten Aichi-Ziele umzusetzen. Angenommen, es gäbe diese Finanzmittel, wüssten die Vertragsstaaten der CBD auch, wie diese möglichst effektiv für die Umsetzung der Aichi-Ziele einzusetzen wären?

Diese Frage berührt ein Thema, das bei COP 11 in den Verhandlungen und Side-Events eher unbeachtet besprochen wird – die Nationalen Berichte. Zu den Pflichten der Mitgliedsstaaten gehört es, in regelmäßigen Abständen (in der Regel alle vier Jahre) dem Sekretariat der Konvention einen Bericht über die Umsetzung im jeweiligen Land zukommen zu lassen. Diese sog. National Reports werden in der Internetpräsenz des Sekretariats öffentlich zugänglich gemacht (www.cbd/int/reports). Sie stellen die Hauptquelle für Informationen dar, auf denen das Sekretariat seine zusammenfassenden Zustandsberichte aufbaut.

Die meisten sehen in den nationalen Berichtspflichten der Vertragsstaaten einen langweiligen, rein verwaltungstechnischen Aspekt für Bürokraten. Doch dies ist ein Trugschluss, vielmehr bilden die Nationalen Berichte die Grundlage, um entscheiden zu können, wie Finanzmittel am besten für die Rettung der Biodiversität einzusetzen sind. Die Nationalen Berichte

sollten eine Datenbasis bilden, um detailliert Auskunft über den aktuellen Zustand der Biodiversität, laufende Schutzmaßnahmen, Erfolge und Lücken im Biodiversitätsschutz und seiner Umsetzung zu erlangen. Da stimmt es bedenklich, wenn man einen genaueren Blick auf die Nationalen Berichte wirft. Zwar haben laut CBD-Sekretariat schon über 140 Staaten den 4. Nationalen Bericht eingereicht, so viele wie bisher noch nie, aber die Qualität der Berichte ist stark verbesserungswürdig. Häufig sind die Berichte unvollständig ausgefüllt oder die Daten völlig veraltet. Auf dieser Basis eine Auswertung zu erstellen, wo die besten Ansatzpunkte wären, um die begrenzten Finanzmitteln am effektivsten für den Biodiversitätsschutz einzusetzen, scheint eine vergebliche Mühe. Viele Vertragsstaaten sind aufgrund finanzieller, personeller und technischer Ressourcen überfordert mit den seit Jahren ansteigenden Berichtspflichten in den Rio-Konventionen (CBD, UNFCCC, UNCCD). Nicht zuletzt ist es zudem die enorme Komplexität von Biodiversität, welche die Erstellung eines guten nationalen Berichtes zu einer Herausforderung werden lässt.

Um die starke Belastung der Vertragsstaaten zu reduzieren, wurde das FNR-Projekt (Facilitate National Reporting) von UNEP, GEF und WCMC am Montag den 15. Oktober in einem Side-Event der COP 11 vorgestellt. Es untersucht die Möglichkeit, die Berichtspflichten der Rio-Konventionen zusammenzulegen, um dadurch Belastungen, Kosten und unnötige Doppelarbeit zu vermeiden. Gleichzeitig erhofft man sich durch die gemeinsame Arbeit an nationalen Berichten mehr Synergien zwischen den multilateralen Umweltkonventionen.