Kurze Tage, lange Nächte – Verhandlungsmarathon auf allen Ebenen

Axel Paulsch

Je weiter die COP10 voranschreitet, desto größer wird der Zeitdruck, um zu Einigungen zu kommen, und entsprechend intensiver werden die Verhandlungen geführt. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch herrschte reges Treiben in den verschiedenen Verhandlungsräumen im Conference Centre.

Die Kontaktgruppe zur Biodiversität der Meere (Marine and Coastal Biodiversity) lieferte den Rekord, indem sie von 19:00 Uhr bis 04:00 Uhr morgens tagte. In der Working Group heute Morgen wurde von den erzielten Fortschritten berichtet, aber auch um mehr Zeit gebeten, also wird man sich ab mittags wieder zusammensetzen müssen.

Ähnliches wurde aus der Kontaktgruppe zu Biotreibstoffen (Biofuels) berichtet, die bis Mitternacht verhandelt hatte und heute Morgen um 10:30 Uhr die Arbeit wieder aufgenommen hat. Auch hier gibt es noch ungelöste Knoten.

Mittlerweile macht sich auch die Anwesenheit der Umweltminister bemerkbar: Unter japanischer Vermittlung haben die Minister gestern Abend eine Formulierung zum Umgang mit dem unter den Klimaverhandlungen sehr wichtigen REDD-plus Prozess (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) gefunden, die der Working Group vorgelegt wurde. Es wäre jetzt gegen alle diplomatischen Gepflogenheiten, dieser Formulierung nicht zuzustimmen.

Ein großer Knackpunkt sind aber nach wie vor die Verhandlungen zu den Zielen bis 2020. Auch die dafür gebildete Kontaktgruppe tagt nahezu ununterbrochen, kommt aber in einigen zentralen Fragen nicht voran, z.B. bei den angestrebten Prozentzahlen für die Ausweitungen von Schutzgebieten, wo Vorschläge zwischen 6% der Meeresoberfläche und 20% auf dem Tisch liegen. Diese Fragen werden wohl an die Minister weitergereicht werden müssen.

Beide Working Groups haben heute zum ersten Mal Abendsitzungen ab 19:00 angekündigt, was nur in Notfällen gemacht wird: die Arbeit dieser Gruppen muss jederzeit in alle UN-Sprachen synchron übersetzt werden, was nicht nur Extrakosten verursacht, sondern irgendwann auch die Übersetzerteams an ihre Leistungsgrenze bringt.

Selbstverständlich laufen auch die Verhandlungen zu ABS ununterbrochen, und im Plenum gestern Abend haben die Co-Chairs dieser Gruppe um Verlängerung ihres Mandats bis Donnerstagabend gebeten. Die Frage, ob es ein Nagoya-Protokoll zu Access and Benefit Sharing geben wird und wie es aussehen könnte, wird also erst in letzter Minute beantwortet werden.

Die Verhandlungsmaschinerie läuft auf Hochtouren und kleine Delegationen haben schon lange keine Chance mehr, alle parallel stattfindenden Verhandlungen gleichzeitig zu verfolgen, schon gar nicht, wenn sie sich auch noch um ihre gerade eingetroffenen Minister „kümmern müssen“.