[all] oder all? – was ein Wörtchen ausmacht

Cornelia Paulsch

Die Verhandlungen bei COP10 haben ihre hochpolitische Phase erreicht und es geht um einzelne Wörtchen, die gestrichen oder eingefügt werden und damit den ganzen Satz verändern können. Eben wurde über den Fortschritt der intensiv debattierenden Kontaktgruppe berichtet, die die Ziele von 2011-2020 diskutiert. Dazu wurde ein sog. Non-Paper verteilt, das den Stand der Diskussion wiedergibt, aber keinen formalen Status hat.

Das erste der 2020-Ziele hatte bisher den Wortlaut: By 2020, at the latest, all people are aware of the values of biodiversity and the steps they can take to conserve and use it sustainably. Im Non-Paper ist der Wortlaut nur minimal verändert, nämlich das Wort “all” fehlt. Und damit verliert das Ziel den größten Teil seiner Ambitioniertheit. Natürlich kann man die Argumentation derer nachvollziehen, die sagten, es sei utopisch „all people“, also alle Menschen von den Werten der Biodiversität zu überzeugen. Durch die ersatzlose Streichung des Wortes „all“ fehlt dem Ziel aber die Messbarkeit. Die Formulierung „people are aware“ ohne eine Form der Zahlenangabe („most“, oder ein bestimmter Prozentsatz) wird bei einer Überprüfung der Zielerfüllung (z.B. im Jahr 2015) immer zu einem positiven Resultat führen, denn dazu genügt es ja, wenn auch nur wenigen Menschen diese Werte bewusst sind. Der Sinn des Zieles, nämlich die Werte der Biodiversität im Bewusstsein weiter Teile der Bevölkerung zu verankern und damit den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Biodiversität zu befördern, wird damit längst nicht mehr so klar ausgedrückt, wie mit der ursprünglichen Formulierung.