Kandidatenkür für den Sekretariatssitz

Axel Paulsch (NeFo, vor Ort in Panama)

Am Mittwochmorgen hat das offizielle Schaulaufen der Kandidaten für den Sekretariatsitz begonnen. Bisher ist jedoch alles offen. Die Wahl ist auch abhängig von der Herkunft des künftigen IPBES-Vorsitzenden.

Heute Morgen haben alle fünf Länder, die sich um den Sekretariatssitz bewerben, ihr Angebot im Plenum in einem jeweils 15-minütigen Vortrag vorgestellt. Dabei wurde nochmals bestätigt, dass alle fünf Angebote sehr ernst gemeint und auch mit entsprechenden finanziellen Zusagen verbunden sind. Natürlich wurden verschiedenste Argumente ins Feld geführt, warum der jeweilig vorgeschlagene Sitz ideal wäre. So konnten z.B. Deutschland, Frankreich und Kenia darauf verweisen, dass in Bonn, Paris und Nairobi bereits verschiedene UN-Organisationen ihren Sitz haben und daher direkte Synergien geschaffen werden könnten (in Bonn etwa zu den Sekretariaten der Klimarahmenkonvention oder zur Bonner Konvention zu wandernden Arten, in Paris zur UNESCO und in Nairobi zu UNEP). Es wurde auch damit geworben, dass wissenschaftliches Potenzial im jeweiligen Land zur Verfügung steht.

Es kamen aber auch rein praktische Aspekte zur Sprache, z.B. die Erreichbarkeit der jeweiligen Stadt für Delegierte aus aller Welt, denn mit großer Sicherheit werden immer wieder Plenumssitzungen am Sitz des Sekretariats stattfinden. So waren in mehreren Präsentationen Weltkarten mit Flugverbindungen zu sehen.

Aber natürlich spielen auch die finanziellen Zusagen eine wichtige Rolle, z.B. ob die Räumlichkeiten für das Sekretariat dauerhaft kostenlos zur Verfügung gestellt werden können oder welche Mittel zur Verfügung stehen, um Treffen auszurichten, zu denen ja die Vertreter der Entwicklungsländer zumeist auf Kosten des Ausrichters eingeladen werden.

Indien warf in die Waagschale, dass nahezu ein Siebtel der Weltbevölkerung in Indien lebt. Außerdem solle ein Gremium zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung von Biodiversität Repräsentant solcher Naturschätze sein. Indien gehöre zu den sogenannten megadiversen Ländern.

Bislang ist das Rennen völlig offen und auch der Flurfunk sieht noch keinen klaren Favoriten, insbesondere da schwer abzuschätzen ist, wie sich die Länder entscheiden werden, deren Lieblingskandidat in einem Wahlgang ausscheidet. Auch wenn das in den Rules of Procedure nirgends festgelegt ist, muss man natürlich im Hinterkopf haben, dass die Entscheidung für den Sekretariatssitz auch die Entscheidung für einen Vorsitzenden mitbestimmen wird, da man eine gewisse regionale Ausbalancierung anstreben wird: Ein Sitz in Europa etwa würde wohl einen Vorsitzenden ebenfalls aus Europa eher unwahrscheinlich machen, ein Sitz in Kenia umgekehrt keinen afrikanischen Vorsitzenden begünstigen. Solche Überlegungen könnten morgen Abend das Abstimmungsverhalten auch beeinflussen, selbst wenn es noch gar keine offiziellen Kandidaten für den Vorsitz gibt.

Weitere tägliche Berichte und Fotos von der Konferenz finden Sie im Earth Negotiations Bulletin (ENB)