Hintergrund: Wie die Wissenschaft am besten einbinden?

Carsten Neßhöver (NeFo, Leipzig)

Die von Axel Paulsch beschriebene Diskussion über die Struktur von IPBES betrifft die Grundherausforderung jeder Wissenschafts-Politik-Schnittstelle wie IPBES (oder IPCC, Millennium Assessment u.a.): Wie stellt man in der „täglichen Arbeit“ durch Gremien sicher, dass einerseits die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit bei der Zusammenstellung und Analyse von Ergebnissen sichergestellt wird, andererseits aber auch die politische Relevanz und Umsetzungsorientierung gewährleistet wird? Beides ist nie gleichzeitig optimal zu bewerkstelligen. Es gilt, eine Balance zu finden.

Für beide in IPBES diskutierten Modelle gibt es gute Gründe:

Ein eigenes Wissenschaftlergremium würde die Unabhängigkeit des wissenschaftlichen Prozesses in IPBES stärken, und damit auch potenziell die Glaubwürdigkeit fördern.  Vor allem bei der Qualitätssicherung, etwa bei Assessments, würde sich die Wissenschaft „nicht reinreden lassen“.  Die Gefahr besteht aber darin, dass es dann evtl. zu Schwerpunktsetzungen in der Arbeit oder bei der Diskussion von Schlussfolgerungen etwa bei Politikoptionen kommt, die dann den Informationsbedarf der Politik schlecht abbilden. Dies müsste durch einen Austauschprozess mit anderen (politischen) Gremien  vermieden werden.

Mit dem Modell eines gemeinsamen Board von Umsetzung und Wissenschaft könnte dieses Problem vermieden werden. Das gegenseitige Verständnis von politischer Umsetzung der Arbeit und wissenschaftlichen Ansprüchen könnte durch die gemeinsame Arbeit verbessert werden. Der potentielle Nachteil könnte allerdings sein, dass politische Erwägungen dann die Arbeitsprozesse per se zu sehr beeinflussen, und eine wissenschaftliche Qualitätssicherung und Offenheit für verschiedene Sichtweisen gefährdet sein könnte.

Die unterschiedlichen Meinungen der Staaten zu diesem Thema zeigen, dass diese Argumente unterschiedlich gewichtet werden. Eine angemessene Balance zu finden, wird wichtig sein. Angesichts der Tatsache, dass es bei Fragen der Biodiversität und Ökosystemleistungen zumeist um sehr angewandte Probleme gehen kann und damit eine reine, „neutrale“ wissenschaftliche Betrachtung vielfach schwierig sein wird, erscheint mir persönlich eine möglichst weitgehende Integration der wissenschaftlichen Arbeit und  politischen Umsetzung von IPBES sehr wichtig - ob mit einem oder zwei Gremien.

Weitere tägliche Berichte und Fotos von der Konferenz finden Sie im Earth Negotiations Bulletin (ENB)